Ulrich und Hilde Weinmann – Eine Familie wird zerrissen

Meldekarte von Ulrich Weinmann.
Meldekarte von Ulrich Weinmann. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18.: Meldekartei Bielefeld-Mitte, 1920-1958
13. Dezember 1941
Reinteistraße 20, 33602 Bielefeld

Familienleben in Bielefeld

Ulrich Weinmann lebte seit 1918 mit Beginn seines Militärdiensts in Bielefeld. In Auerbach, im damaligen Kreis Bensheim, wurde er am 07. November 1888 geboren. Er arbeitete als Textilvertreter. Wahrscheinlich heiratete er im Jahr 1922 seine Frau Hilde (Hildegard), geboren Löwenstein. Sie wurde am 07. Januar 1898 in Dortmund geboren und zog am 22. Oktober 1922 zu ihrem Ehemann nach Bielefeld in die Ellerstraße 27. Das Paar bekam drei Kinder. Ihre Tochter Erika wurde am 26. Februar 1924 in Bielefeld geboren. Einige Jahre später bekam das Paar noch zwei Söhne – Rolf (geb. 13. Mai 1931) und Ernst (geb. 07. Februar 1934). Die letzte Meldeadresse der Familie ab Oktober 1939 war die Renteistraße 20 in Bielefeld. Zuvor wohnten sie in der Viktoriastr. 29.

Rettung der Kinder

Die Familie muss die Bedrohung durch den Nationalsozialismus bereits früh sehr ernst genommen haben, da alle drei Kinder frühzeitig aus dem Land gebracht wurden. 1937 wurde Rolf Weinmann einem jüdischen Kinderheim in Dinslaken übergeben, von wo er weiter in ein katholisches Heim nach Brüssel gebracht wurde. Nachdem die deutschen Truppen dort einmarschiert waren, gelangte er mit einem Kindertransport weiter nach Frankreich. Im August 1941 verließ er Europa und floh nach San Francisco in die USA. Sein Bruder Ernst konnte ebenfalls mit einem Kindertransport, der ihn 1939 nach Belgien brachte, das Land verlassen. In Belgien musste er sich dann von 1942-1944 versteckt halten. Er überlebte die Verfolgung und blieb in Belgien. Erika Weinmann konnte 1938 nach England fliehen. Von dort aus wanderte sie später ebenfalls in die USA aus und lebte unter dem Namen Erica Marcus in New Jersey.

Das Ehepaar Weinmann konnte sich selbst jedoch nicht retten und wurde am 13. Dezember 1941 nach Riga deportiert. Beide wurden für tot erklärt. Ein genaues Todesdatum ist nicht überliefert. Die drei Kinder des Ehepaares stellten Wiedergutmachungsanträge gemäß BEG (Bundesentschädigungsgesetz).

Spur aufgenommen und Recherche
Saskia David-Gaubatz
Landesarchiv Nordrhein Westfalen – Abteilung OWL

Literatur

  • Minninger, Monika / Meynert, Joachim / Schäffer, Friedhelm (Hrsg.), Antisemitisch Verfolgte registriert in Bielefeld 1933-45. Eine Dokumentation jüdischer Einzelschicksale (Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte 4) Bielefeld 1985.
  • Niemann, Ursula, Liste der um 1933 in Bielefeld ansässig gewesenen Juden und ihre Schicksale sowie ein Überblick über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bielefeld, Bielefeld 1972.
  • Scheffler, Wolfgang / Schulle, Diana, Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden, Bd. 2, München 2003.
  • Schneider, Gertrude, Reise in den Tod. Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Dülmen, 2008.

Quellen

  • LAV NRW Abt. OWL: Bestand D1 BEG Nr. 7905; 7342; 10625.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18: Meldekartei Bielefeld-Mitte, 1920-1958.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104, 3/Einwohnermeldeamt, Nr. 1524: Hausbuch, Renteistr. 20.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104, 3/Einwohnermeldeamt, Nr. 1604: Hausbuch, Viktoriastr. 29.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 109,3/Amt für Wiedergutmachung Stadt, Nr. B 132; B208.
Veröffentlicht am und aktualisiert am 8. Dezember 2021

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