Rosa Heymann: Eine Bielefelder Witwe

Meldekarte von Rosa Heymann
Die Meldekarte Siegfried und Rosa Heymanns. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18.
13. Dezember 1941
Mühlenstraße 7, 33607

Rosa Heymann wurde als Rosa Wolff am 27. Februar 1891 in Südlohn, einer kleinen Stadt in Westfalen, geboren.

Hier dürfte sie auch ihren späteren Mann Siegfried kennengelernt haben. Die beiden zogen im Jahr 1925 von Südlohn nach Bielefeld und lebten ab August 1926 in der Jakobusstraße, ab 1929 in der Metzgerstraße. Siegfried war in Bielefeld am Berufsbekleidungsgeschäft „Grünewald u. Heymann“ beteiligt, welches seinen Sitz in der Mühlenstraße 7 hatte.

Am 14. Januar 1930 ging die Firma von Siegfried Heymann und Albert Grünewald auf Selma Grünewald über. Denkbar ist, dass dies mit der Weltwirtschaftskrise in Folge des Börsenkraches in New York (Oktober 1929) zu tun hatte. Ob die Heymanns von hier an noch einen Anteil an dem Geschäft hatten, ist ungeklärt. Kurz darauf, am 20. April 1931, verstarb Siegfried Heymann und Rosa wurde Witwe. Die Firma, die bis Juni 1931 außerdem eine Filiale in der Gütersloher Straße unterhielt, wurde zum 7. Juli 1936 aufgelöst.

Merkwürdig ist, dass Rosa Heymann nach dem Tod ihres Mannes am 9. August 1932 in die Mühlenstraße 7 zieht, jenem Gebäude, in welchem sich die ehemalige Firma ihres Mannes befand. Dies mag darauf hindeuten, dass sie am Geschäft noch immer Anteil nahm. Rosa Heymann ar­bei­te­te kurz­zei­tig beim Kauf­haus Als­berg als Aus­hilfs­ver­käu­fe­rin (25. Juli bis 6. Au­gust 1938), meldete sich jedoch im November 1938 nach Südlohn in Westfalen ab – vermutlich, um bei ihrer Familie zu wohnen. Ihr Wohnhaus, die Mühlenstraße 7, war zu diesem Zeitpunkt bereits zu einem sogenannten „Judenhaus“ geworden – hier konzentrierte die Stadtverwaltung die jüdische Bevölkerung.

Sie kehrte jedoch am 18. November 1939 in die Mühlenstraße 7 nach Bielefeld zurück – vermutlich nicht freiwillig. Von hier aus wurde sie am 13. Dezember 1941 gemeinsam mit vielen anderen Jüdinnen und Juden aus Westfalen und Lippe in das Rigaer Ghetto deportiert. Von hier aus verschleppte man sie im Jahr 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz. Dort ist sie höchstwahrscheinlich ermordet worden. In der Mühlenstraße 7 in Bielefeld ist für Sie ein Stolperstein verlegt worden.

Spur aufgenommen und Recherche
David Hecken
Landesarchiv Nordrhein Westfalen – Abteilung OWL

Literatur

  • Minninger, Monika / Meynert, Joachim / Schäffer, Friedhelm (Hrsg.), Antisemitisch Verfolgte registriert in Bielefeld 1933-45. Eine Dokumentation jüdischer Einzelschicksale (Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte 4) Bielefeld 1985.
  • Niemann, Ursula, Liste der um 1933 in Bielefeld ansässig gewesenen Juden und ihre Schicksale sowie ein Überblick über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bielefeld, Bielefeld 1972.

Quellen

  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,1/Ordnungsamt, Nr. 1181: Jüdische Gewerbekartei.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18: Meldekartei Bielefeld-Mitte, 1920-1958.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 210,60/Kaufhaus Alsberg, Nr. 1: Personalbuch, 1900-1938 (1966)

 

Veröffentlicht am und aktualisiert am 18. Januar 2023

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