Johanna und Max Goldschmidt aus Rheda

Stolperstein der Stadt Rheda-Wiedenbrück am ehemaligen Wohnort in der Rosenstraße 6: Johanna Goldschmidt. Urheber: GeorgDerReisende, Quelle: Wikimedia
Stolperstein der Stadt Rheda-Wiedenbrück am ehemaligen Wohnort in der Rosenstraße 6: Max Goldschmidt. Urheber: GeorgDerReisende, Quelle: Wikimedia
26. Juni 1939
Kreuzstraße 1, 33602 Bielefeld

Max und Johanna Goldschmidt stammten aus Rheda, einer etwa 25 km entfernten Nachbarstadt Bielefelds. Bevor sie nach Bielefeld kamen, hatten sie bereits ein ganzes reiches Leben hinter sich: Max entstammte einer Viehhändlerfamilie und war schon einmal verheiratet gewesen. Aus seiner ersten Ehe mit Emmy Müller gingen zwei Töchter hervor (beide, Helma und Käthe, wurden in Auschwitz ermordet).

Im Oktober 1922 heiratete Max die aus einer niederländischen Viehhändlerfamilie stammende Johanna (geb. van der Hoeden aus Nijkerk in Gelderland) und sie zog zu ihm nach Rheda. Die Ehe der beiden blieb kinderlos – und so adoptierten sie die sechsjährige Carmen im Frühjahr 1932, ein jüdisches Mädchen aus Bonn. Sie wurde 1943 im Alter von 18 Jahren ebenfalls in Auschwitz ermordet.

Im Ersten Weltkrieg hatte Max als Frontsoldat gekämpft – dennoch wurde er 1938 nach dem Pogrom in Rheda und der Beschädigung seines Wohnhauses von der Gestapo in „Schutzhaft“ genommen und kam am 12. November 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald. Nach zwölf Tagen wurde er Verdienste im Ersten Weltkrieg wieder freigelassen. Wenig später, im Frühjahr 1939, war er gezwungen, sein Haus in der Rosenstraße 6 zu einem Spottpreis an die Stadt Rheda zu veräußern.

Am 26. Juni 1939 kamen Max und Johanna nach Bielefeld, wo ersterer als Pförtner arbeiten musste – beide wurden im sog. „Judenhaus“ in der Detmolder Straße 4 (heute Kreuzstraße 4) einquartiert. Sie wurden am 13. Dezember 1941 nach Riga deportiert und haben diese schreckliche Zeit nicht überlebt.

Stolpersteine

In den Jahren zwischen 2013 und 2015 wurden in Rheda-Wiedenbrück unter großem bürgerschaftlichen Engagement Stolpersteine verlegt. Am 5. Juni 2014 auch jene für die Familie Goldschmidt Am Großen Wall 35. Der vorliegende Text stützt sich wesentlich auf die Recherchen dieses Projekts, welche ältere Auffassungen über das Schicksal von Max und Johanna Goldschmidt entscheidend korrigieren und ergänzen – bislang war in der Bielefelder Forschung angenommen worden, Max habe den Krieg überlebt und sei anschließend nach Israel ausgewandert. Diese Annahme beruht allerdings auf einer Verwechslung mit Moritz Goldschmidt, genannt Max: Dieser war es, der Inhaber der Tuchhandelsgesellschaft M. Goldschmidt & Co. in Bielefeld gewesen ist und in der Tat den Holocaust überlebt hat. Dies trifft auf Max Goldschmidt aus Rheda und seine Frau bedauerlicherweise nicht zu.

Spur aufgenommen und Recherche
David Hecken
Landesarchiv Nordrhein Westfalen – Abteilung OWL

Literatur

  • Minninger, Monika / Meynert, Joachim / Schäffer, Friedhelm (Hrsg.), Antisemitisch Verfolgte registriert in Bielefeld 1933-45. Eine Dokumentation jüdischer Einzelschicksale (Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte 4), Bielefeld 1985.
  • Niemann, Ursula, Liste der um 1933 in Bielefeld ansässig gewesenen Juden und ihre Schicksale sowie ein Überblick über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bielefeld, Bielefeld 1972.

Quellen

  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Standesamt, Hausbücher, Nr. 1278.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18: Meldekartei Bielefeld-Mitte, 1920-1958.
Veröffentlicht am und aktualisiert am 13. September 2022

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