Erwin und Ruth Willner – Zwei Leben und der Tod

Meldekarte von Erwin Willner.
Meldekarte von Erwin Willner. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18.: Meldekartei Bielefeld-Mitte, 1920-1958
Auszug aus dem Hausbuch Goldstraße 10.
Auszug aus dem Hausbuch Goldstraße 10. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104, 3/Einwohnermeldeamt, Nr. 1333: Hausbuch, Goldstraße.
13. Dezember 1941
Goldstraße 10, 33602 Bielefeld

Leben in Bielefeld

Der gelernte Buchhalter Erwin Willner kam erst im März 1938 nach Bielefeld und lebte Am Stift 14. Er wurde am 3. Juli 1911 in Seelze in der Region Hannover geboren. Bereits ein Jahr später, nach seiner Ankunft in Bielefeld am 21. März 1939 heiratete er Ruth Seelig. Die Väter des Brautpaares, Emil Willner und Moritz Seelig, bezeugten die Eheschließung.

Das Paar zog einen Tag nach der Eheschließung gemeinsam in die Goldstr. 10 in Bielefeld.

Ruth Willner geb. Seelig wurde am 28. November 1911 in Kolberg geboren (heute Polen). Ihre Eltern waren Moritz, von Beruf Kaufmann, und Hedwig Seelig. Ruth arbeitete als Hausgehilfin in Bielefeld und lebte vor ihrer Eheschließung in der Straße im Waldhof 6.

Die Deportation

Am 13. Dezember 1941 erlitt das Paar die Deportation nach Riga. Von Riga ging es für beide weiter nach Bergen-Belsen. Erwin überlebte das Lager Bergen Belsen nicht. Auf sich allein gestellt, kehrte Ruth Willner nach der Befreiung nach Bielefeld zurück. Laut dem Hausbuchauszug lebte sie wieder in der Goldstr. 10. Ihr Vater, Moritz Seelig, starb bereits 1943 an Herzversagen, aufgrund der körperlich schwere Zwangsarbeit in Bielefeld. Ihre Eltern lebten seit Anfang 1942 in den sogenannten Judenhäusern in der Koblenzer Straße 4 und der Detmolder Straße 4. Nach dem Tod von Moritz Seelig zog ihre Mutter in die Lützowstr. 10 und lebte dort bis zum Kriegsende.

Neuanfang

Nach dem erfahrenen Leid und der Gewalt erlebte Ruth Willner einen Neuanfang. Sie heiratete am 9. Februar 1946 in Bielefeld Heinz Gross. Er war zunächst nach Auschwitz deportiert worden, wo seine erste Frau starb. Er wurde weiter nach Buchenwald gebracht. Heinz Gross überlebte beide Lager und kehrte nach Bielefeld zurück.

Ruth und Heinz bekamen am 2. September 1946 oder 1947 einen Sohn namens Elga Mario. Zusammen wanderten sie 1949 in die USA aus. Auch die Mutter von Ruth, Hedwig Seelig, folgte ihrer Tochter in die USA. Am 25. September 1983, im Alter von fast 64 Jahren verstarb Ruth Gross. Nur fünf Jahre später verstarb auch ihr Sohn Elga Mario. Heinz Gross verstarb im hohen Alter von 96 Jahren am 29. November 2005 in Saint Paul, Minnesota, USA.

Ruth und ihre Mutter stellten Wiedergutmachungsanträge für Erwin Willner und Moritz Seelig gemäß BEG (Bundesentschädigungsgesetz).

Spur aufgenommen und Recherche
Saskia David-Gaubatz
Landesarchiv Nordrhein Westfalen – Abteilung OWL

Literatur

  • Minninger, Monika / Meynert, Joachim / Schäffer, Friedhelm (Hrsg.), Antisemitisch Verfolgte registriert in Bielefeld 1933-45. Eine Dokumentation jüdischer Einzelschicksale (Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte 4) Bielefeld 1985.
  • Scheffler, Wolfgang / Schulle, Diana, Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden, Bd. 2, München 2003.

Quellen

  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18: Meldekartei Bielefeld-Mitte, 1920-1958.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 109,3/Amt für Wiedergutmachung Stadt, Nr. B 075; B 212; B 176.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,2.20/Standesamt, Heiratsregister, Nr. 200, 1939-2, Vorgang Nr. 190.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104, 3/Einwohnermeldeamt, Nr. 1333: Hausbuch, Goldstraße.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104, 3/Einwohnermeldeamt, Nr. 1611: Hausbuch, Waldhof.
Veröffentlicht am und aktualisiert am 8. Dezember 2021

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