Das Ehepaar Paul und Betty (Berta) Rosenthal und ihre Tochter Ingeborg – Die einzige Überlebende einer großen Familie

Meldekarte von Paul Rosenthal.
Meldekarte von Paul Rosenthal. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18: Meldekartei Bielefeld-Mitte, 1920-1958.
13. Dezember 1941
Niedernstraße 26, 33602 Bielefeld

Die kleine Familie Paul, Betty und Ingeborg Rosenthal lebte gemeinsam in der Niedernstr. 26 in Bielefeld. Paul Rosenthal wurde am 26. März 1884 in Deutsch Krone (ehemalige Provinz Pommern, heute Polen) geboren. Er war Kaufmann und betrieb eine Großhandlung für Webwaren in Bielefeld. Seine Frau Betty (Berta) geb. Stein wurde am 4. Dezember 1888 in Löbau im heutigen Sachsen geboren. Am 19. September 1921 kam ihre Tochter Ingeborg in Bielefeld zur Welt.

Das Leben der Familie wurde am 3. November 1939 nicht zum ersten Mal aus den Fugen gerissen, als die Familie in ein sogenanntes „Judenhaus“ in die Wiesenstr. 13 ziehen musste. Schon vorher erlebte die Familie den Druck des NS-Regimes auf die jüdische Bevölkerung, als aufgrund des Boykotts jüdischer Geschäfte auch das Gewerbe von Paul Rosenthal zu Grunde ging. Nach der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde Paul Rosenthal die Existenzgrundlage entzogen und er musste am 1. Dezember 1938 sein Geschäft abmelden.  Am 13. Dezember 1941 wurde die Familie schließlich ein Opfer der NS-Vernichtungsmaschinerie, als sie nach Riga deportiert wurden.

Der Todestag von Paul Rosenthal ist für den 18. März 1942 überliefert. Betty Rosenthal starb am 28. Juli 1944. Allein ihre Tochter Ingeborg überlebte die Gewalt. Sie gilt als einzige Überlebende der insgesamt 15-köpfigen Familie Rosenthal. Im BEG-Verfahren gab sie an, dass sie bis zum Tod ihres Vaters an dessen Seite war. Sie floh nach Schweden und wanderte später unter ihrem Ehenamen als Inge Friedemann in Cincinnati, Ohio (USA) ein. Sie stellte nach Kriegsende Wiedergutmachungsanträge für ihre Eltern und weitere Tanten und Onkel gemäß BEG (Bundesentschädigungsgesetz).

Spur aufgenommen und Recherche
Saskia David-Gaubatz
Landesarchiv Nordrhein Westfalen – Abteilung OWL

Literatur

  • Minninger, Monika / Meynert, Joachim / Schäffer, Friedhelm (Hrsg.), Antisemitisch Verfolgte registriert in Bielefeld 1933-45. Eine Dokumentation jüdischer Einzelschicksale (Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte 4) Bielefeld 1985.
  • Niemann, Ursula, Liste der um 1933 in Bielefeld ansässig gewesenen Juden und ihre Schicksale sowie ein Überblick über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bielefeld, Bielefeld 1972.
  • Scheffler, Wolfgang / Schulle, Diana, Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden, Bd. 2, München 2003.
  • Schneider, Gertrude, Reise in den Tod. Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Dülmen, 2008.

Quellen

  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18: Meldekartei Bielefeld-Mitte, 1920-1958.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,1/Ordnungsamt, Jüdische Gewerbekartei, Nr. 1181.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104, 3/Einwohnermeldeamt, Nr. 1494: Hausbuch, Niedernstr. 26.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104, 3/Einwohnermeldeamt, Nr. 1631: Hausbuch, Wiesenstr. 13.
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 109,3/Amt für Wiedergutmachung Stadt, Nr. B 56; B 167.
  • LAV NRW Abt. OWL: Bestand D1 BEG Nr. 9623; 9621.
Veröffentlicht am und aktualisiert am 24. Februar 2022

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