Bertha Klaremeier und ihre Familie: Auswanderung ohne Rettung

Meldekarte von Gustav Klaremeier
Meldekarte von Gustav Klaremeier. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,003/Meldekarte, Nr. 18.
13. Dezember 1941
Detmolder Straße, 33604 Bielefeld

Berta oder Bertha Meyerhoff wurde am 10. April 1882 in Hannover geboren. Ihr Mann Gustav Klaremeier war Oberpostinspektor, stammte aus Bad Meinberg in Lippe und war schon einmal verheiratet gewesen: Mit seiner ersten Frau Helene (geb. Sondermann) hatte er eine Tochter: Anna Therese (geboren 1903). Nach Helenes Tod im Jahr 1914 heiratete er in Linden (heute Hannover) Berta am 18. Januar 1916 in Linden.

Sie hatten noch über 23 Jahre zusammen, die sie größtenteils in der Detmolder Straße 41 (heute vermutlich 45) in Bielefeld verbrachten.

Gustav verstarb am 23. August 1939 im Franziskus-Hospital in Bielefeld. Als Todesursache wird die Bantische Erkrankung angegeben. Bertha blieb die ganze Zeit über als Witwe in Bielefeld wohnhaft. Über ihr weiteres Leben ist derzeit nichts weiter bekannt. Von Bielefeld aus ist sie am 13. Dezember 1941 in das Rigaer Ghetto verbracht worden, wo sie ebenfalls umgekommen ist.

Das weitere Schicksal der Tochter Anna Therese

Als Gustav starb, wähnte er zumindest seine Tochter sicher schon in Sicherheit: Anna hatte am 23. Mai 1934 Paul Michael Klein aus Bocholt in Bielefeld geheiratet – sie zogen noch am selben Tag zu ihm nach Essen, wo etwa ein Jahr später ein Sohn geboren wurde. Er dürfte in jungen Jahren oder unmittelbar nach der Geburt gestorben sein, denn wir erfahren nichts mehr von ihm.  Am 31. März 1938 emigrierten sie in die Niederlande und lebten in Utrecht. Von hier aus meldete Anna Therese, wie es im nationalsozialistischen Deutschland Pflicht war, im Januar 1939 die Führung ihres Zwangsvornamens „Sara“ an.

Leider überholten die Kriegsereignisse die Familie Klein, wie viele nach Westeuropa ausgewanderte deutsche Juden. Als die Wehrmacht im Jahr 1940 die Niederlande militärisch überrannte, gab es kein Entkommen mehr: Anna wurde am 19. August 1942 verhaftet und in das Judendurchgangslager Westerbork verbracht, wo sie getrennt von ihrem Mann in Baracke 43 lebte. Von hier aus wurde die ganze Familie am 18. Mai 1943 von den Niederlanden in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und drei Tage später dort ermordet.

Spur aufgenommen und Recherche
David Hecken
Landesarchiv Nordrhein Westfalen – Abteilung OWL

Literatur

  • Minninger, Monika / Meynert, Joachim / Schäffer, Friedhelm (Hrsg.), Antisemitisch Verfolgte registriert in Bielefeld 1933-45. Eine Dokumentation jüdischer Einzelschicksale (Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte 4) Bielefeld 1985.
  • Niemann, Ursula, Liste der um 1933 in Bielefeld ansässig gewesenen Juden und ihre Schicksale sowie ein Überblick über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bielefeld, Bielefeld 1972.

Quellen

  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,2.20/Standesamt, Personenstandsregister, Nr. 200-1934,2: Heiratssregister Bielefeld 1934, Bd. 2, Nr. 433,
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,2.20/Standesamt, Personenstandsregister, Nr. 300-1939,2: Sterberegister Bielefeld 1939, Bd. 2, Nr. 959,
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18: Meldekartei Bielefeld-Mitte, 1920-1958.
Veröffentlicht am und aktualisiert am 8. Dezember 2021

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