Anni und Fritz Herzberg

Meldekarte von Fritz Herzberg
Meldekarte von Fritz Herzberg. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,003/Meldekarte, Nr. 18.
10. September 1939
Mühlenstraße 7, 33607 Bielefeld

Der Altersunterschied zwischen den Ehepartnern war auch für die Zeit ziemlich hoch, als der 48-jährige Kaufmann Fritz Herzberg aus Bielefeld am 8. September 1939 die 27-jährige Anni Cullmann aus Gladbeck heiratete. Zwei Tage später, am 10. September, zog sie zu ihm nach Bielefeld. Zu diesem Zeitpunkt musste Fritz bereits in einem „Judenhaus“ leben, nämlich dem in der Mühlenstraße 7.

Der am 14. Juli 1891 geborene Fritz Herzberg war bereits am 2. Dezember 1938 zum ersten Mal in das Konzentrationslager Buchenwald eingewiesen worden – das gleiche geschah ihm wieder am 15. Oktober 1940. Bald darauf mussten die Herzbergs wie andere Jüdinnen und Juden in Deutschland Zwangsarbeit leisten, was mit dem harmloseren Wort „Arbeitseinsatz“ verbrämt wurde. Vom 23. Juli 1940 bis 29. November 1941 musste Anni etwa bei der Firma Friedrich Dargel in der Heeper Straße 132 Zwangsarbeit leisten, einem Bielefelder Triebriemen- und Leder-Fabrikanten. Bereits seit Januar 1939 mussten die beiden außerdem jüdische Zwangsvornamen, Israel und Sara, tragen.

Am 13. Dezember 1941 wurden beide zusammen mit den übrigen Bielefelder Jüdinnen und Juden in das Ghetto von Riga deportiert. Während Anni im Ghetto blieb, wurde Fritz zwangsweise zum Aufbau des Arbeitsumerziehungslagers nach Salaspils abkommandiert. Hier, am Stadtrand von Riga, mussten die Juden als Zwangsarbeiter Schwerstarbeit leisten. Weder von ihm noch von seiner Frau ist je wieder gehört worden, ihr Schicksal ist unbekannt. Höchstwahrscheinlich wurden beide ermordet.

Spur aufgenommen und Recherche
David Hecken
Landesarchiv Nordrhein Westfalen – Abteilung OWL

Literatur

  • Minninger, Monika / Meynert, Joachim / Schäffer, Friedhelm (Hrsg.), Antisemitisch Verfolgte registriert in Bielefeld 1933-45. Eine Dokumentation jüdischer Einzelschicksale (Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte 4) Bielefeld 1985.
  • Niemann, Ursula, Liste der um 1933 in Bielefeld ansässig gewesenen Juden und ihre Schicksale sowie ein Überblick über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bielefeld, Bielefeld 1972.
  • Schneider, Gertrude, Reise in den Tod. Deutsche Juden in Riga 1941-1944, Dülmen/Westfalen 2008.

Quellen

  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,2.20/Standesamt, Personenstandsregister, Nr. 100-1891,2: Geburtsregister Bielefeld 1891, Bd. 2, Nr. 870/1891.
Veröffentlicht am und aktualisiert am 8. Dezember 2021

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