Bernhard Scheiberg wurde während des Nationalsozialismus Opfer von Zwangsumzügen. Die Hoffnung von Bernhard und seiner Ehefrau Meta auf eine Auswanderung nach Schanghai erfüllte sich nicht mehr: Meta verstarb 1940 in Bielefeld, Bernhard 1943 in Hannover.
Bernhard Scheiberg (1879-1943) lebte zusammen mit seiner Ehefrau Meta Scheiberg, geb. Frank (1877-1940), zunächst in Beeke im Landkreis Schaumburg. Dort handelte er mit frischer Kalbs- und Schweineleber, was ihm den Beinamen „Leber-Scheiberg“ einbrachte.
Unter dem Druck des NS-Regimes mussten die Eheleute Scheiberg 1937 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ihre Wohnung verlassen und in die ihnen zugewiesene Lehrerwohnung im Vorderhaus der Synagoge Obernkirchen ziehen. Im Verlauf der Schändung der Synagoge in der Pogromnacht 1938 wurden die Eheleute Scheiberg tätlich angegriffen und ihre Wohnung stark beschädigt. Die Fenster und Türen der Scheibergschen Wohnung, in der sich das Ehepaar eingeschlossen hatte, wurden eingeschlagen. Die SS-Schergen durchsuchten die Zimmer nach Bargeld und Utensilien, die für den Gottesdienst gebraucht wurden.
Im Januar 1939 zog das Ehepaar nach Bielefeld in die Blumenstraße 18. Das Haus gehörte Max Nachmann, dem Schwiegervater ihrer Tochter Elfriede (1905-?). Elfriede lebte dort im Vorderhaus in der Erdgeschosswohnung, zusammen mit ihrem Sohn Rolf und Ehemann Robert Nachmann. Nach der Auswanderung von Elfriedes Familie im März 1939 nach Schanghai bewohnten Meta und Bernhard Scheiberg die Wohnung nunmehr alleine.
Nach dem Erlass des Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden vom 30. April 1939 sowie des Anfang Juni 1939 erschienenen Meldeaufrufs in den örtlichen Zeitungen, reichte Bernhard Scheiberg als Vertreter des Hauseigentümers ein Verzeichnis der in der Blumenstraße 18 wohnenden Menschen ein. Daraufhin wurden ab August 1939 immer wieder jüdische Mitbewohner in der Wohnung Scheiberg einquartiert, gleichzeitig bis zu drei Personen.
Ebenso wie ihre Tochter Elfriede versuchten auch die Eheleute Scheiberg nach Schanghai auszuwandern. Die Ausreise gelang ihnen jedoch nicht mehr. Am 22. September 1940 verstarb Meta Scheiberg im Franziskus-Hospital in Bielefeld. Bernhard Scheiberg wurde, nach weiteren Einquartierungen in die „Judenhäuser“ Mühlenstraße 7 sowie Detmolder Straße 4, im Januar 1943 in das israelitische Krankenhaus nach Hamburg gebracht, wo er am 17. Februar 1943 starb.
2017 wurden für die Eheleute Scheiberg Stolpersteine an ihrem letzten freiwillig gewählten Wohnort in Beeke (heute Teil von Obernkirchen) verlegt.
Spur aufgenommen und Recherche
Frauke Bokermann
Geschichtswerkstatt der VHS Bielefeld
- Minninger, Monika / Meynert, Joachim / Schäffer, Friedhelm (Hrsg.), Antisemitisch Verfolgte registriert in Bielefeld 1933-45. Eine Dokumentation jüdischer Einzelschicksale (Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte 4) Bielefeld, 1985
- Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 101,5/Geschäftsstelle V, Nr. 551
- Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,2.20/Standesamt, Personenstandregister, Nr. 300-1940-3
- Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 1248