Das Ehepaar Bornheim wurde am 31. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Die unmenschlichen Bedingungen der Inhaftierung führten bereits am 23. Dezember 1942 zum Tod von Gustav durch Unterernährung und Schwäche. Nach fast 40 Jahren Ehe, musste Bertha in Gefangenschaft von ihrem Ehemann Abschied nehmen und, selbst schwer erkrankt, die Kraft zum Überleben finden. Nach 3 Jahren Gefangenschaft wurde Bertha am 18. Juni 1945 mit den notwendigen Papieren ausgestattet und kehrte nach Bielefeld zurück.
Blümchen Bertha Bornheim, geborene Meyer, wurde 1877 in Schlangen geboren, ihr späterer Ehemann Jakob Gustav Bornheim in Leopoldshöhe 1870. Gustav Bornheim besuchte eine höhere Schule, vermutlich bis zur mittleren Reife. Danach erfolgte eine kaufmännische Ausbildung. Seit dem Jahre 1902 war er zusammen mit seinem Bruder Emil Bornheim selbständig und betrieb die Herrenkleiderfabrik Gebrüder Bornheim. Gustav heiratete Bertha am 24. Mai 1903. Beide lebten in Bielefeld. Sie hatten eine Tochter, Edith, geboren 1906.
Das Ehepaar Bornheim kann man als wohlhabend bezeichnen. In den 1920er Jahren wurden per Anzeige Arbeitskräfte für die Fabrik und die private Haushaltsführung gesucht. Ab 1926 wohnten sie in einer eigenen Immobilie im Albrecht-Delius-Weg 3. 1935 musste diese Immobilie verkauft werden und die Kiskerstraße 5 wurde zum privaten Wohnsitz. Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise und später durch die Repressionen des NS-Regimes nahm der wirtschaftliche Erfolg der Herrenkleiderfabrik ab. Vom eigenen Gebäude in der Lützowstraße 6a musste die Firma 1936 in gemietete Räume in die Jüngststraße 8 umziehen.
Die Flucht der Eheleute Bornheim nach England war geplant, konnte jedoch aufgrund des Kriegsausbruches nicht verwirklicht werden. Somit blieben Bertha und Gustav in Bielefeld und verloren nach und nach alles, was sie sich aufgebaut hatten. Sie mussten eine Judenvermögenabgabe von etwa 30.750 RM leisten und hatten einen Verlust ihrer Wohnungseinrichtung sowie vieler Einrichtungsgegenstände im Zuge ihrer erfolglosen Auswanderung nach England zu beklagen.
Am 3. Juli 1941 mussten Bornheims in das „Judenhaus“ Ritterstraße 5 umziehen und am 31. Juli 1942 erfolgte die Deportation in das Ghetto Theresienstadt.
Nach drei Jahren Gefangenschaft kehrte Bertha Bornheim am 18. Juni 1945 ohne ihren geliebten Mann nach Bielefeld zurück. Da ihre gesamte Habe vor der Deportation beschlagnahmt und versteigert worden war, stand sie mittellos da. Sie wohnte zunächst in der Humboldstraße 8 bis ihr von Bekannten eine kleine Dachwohnung an ihrer ehemaligen Wohnadresse an der Kiskerstraße 5 zur Verfügung gestellt und einige Möbelstücke leihweise überlassen wurden.
Im Jahr 1946 begann Bertha für ihre Wiedergutmachung, die ihres Mannes sowie ab 1954 auch für die Wiedergutmachung von Verwandten zu kämpfen. Die Verfahren zogen sich über viele Jahre hin und kamen nur schleppend voran. Sie bat mehrere Male aufgrund ihres voranschreitenden Alters, schnell über ihre Anträge zu entscheiden und ihr die Entschädigung auszuzahlen.
In ihren letzten Lebensjahren litt Bertha an Arthrose in den Fingern, welche nach eigenen Angaben daraus resultierte, dass sie in Theresienstadt lange im kalten Wasser arbeiten musste. Seit 1954 war sie auf eine Pflegerin angewiesen. Bertha Bornheim starb am 10. August 1966 im Alter von 89 Jahren in Bielefeld. Sie kämpfte bis zu ihrem Tod für eine vollständige Wiedergutmachung für sich, ihren Mann, ihre Schwester, ihre Neffen und die Nichte ihres Mannes.
Für Bertha und Gustav Bornheim sind am 29. Oktober 2024 in der Kiskerstraße 5 Stolpersteine in Anwesenheit der Familie Wormsley (ehemals Worms) aus England gelegt worden.
Spur aufgenommen und Recherche
Julia Rathert
Stadtbibliothek Bielefeld