Bertha und Gustav Bornheim – bis das der Tod uns scheidet

Bertha Bornheim, Foto von ca. 1945. Privatbesitz von Claire Wormsley (Urenkelin)
Bertha Bornheim, Foto von ca. 1945. Privatbesitz von Claire Wormsley (Urenkelin)
Entlassungsausweis aus dem Ghetto Theresienstadt für Bertha Bornheim. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 109,3/Amt für Wiedergutmachung Stadt, Nr. B 22
Entlassungsausweis aus dem Ghetto Theresienstadt für Bertha Bornheim. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 109,3/Amt für Wiedergutmachung Stadt, Nr. B 22
Postkarte der Herrenkleiderfabrik Gebr. Bornheim, Bielefeld 1926. Privatbesitz Julia Rathert
Postkarte der Herrenkleiderfabrik Gebr. Bornheim, Bielefeld 1926. Privatbesitz Julia Rathert
Bestätigung von der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, dass Bertha Bornheim in das Ghetto Theresienstadt verbracht wurde. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 109,3/Amt für Wiedergutmachung Stadt, Nr. B 22
Bestätigung von der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, dass Bertha Bornheim in das Ghetto Theresienstadt verbracht wurde. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 109,3/Amt für Wiedergutmachung Stadt, Nr. B 22
Sterbeurkunde von Bertha Bornheim Bertha Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 109,3/Amt für Wiedergutmachung Stadt, Nr. B 22
Sterbeurkunde von Bertha Bornheim Bertha Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 109,3/Amt für Wiedergutmachung Stadt, Nr. B 22
31. Juli 1942
Kiskerstraße 5, 33602 Bielefeld

Das Ehepaar Bornheim wurde am 31. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Die unmenschlichen Bedingungen der Inhaftierung führten bereits am 23. Dezember 1942 zum Tod von Gustav durch Unterernährung und Schwäche. Nach fast 40 Jahren Ehe, musste Bertha in Gefangenschaft von ihrem Ehemann Abschied nehmen und, selbst schwer erkrankt, die Kraft zum Überleben finden. Nach 3 Jahren Gefangenschaft wurde Bertha am 18. Juni 1945 mit den notwendigen Papieren ausgestattet und kehrte nach Bielefeld zurück.

Persönliches und Familie

Blümchen Bertha Bornheim, geborene Meyer, wurde 1877 in Schlangen geboren, ihr späterer Ehemann Jakob Gustav Bornheim in Leopoldshöhe 1870. Gustav Bornheim besuchte eine höhere Schule, vermutlich bis zur mittleren Reife. Danach erfolgte eine kaufmännische Ausbildung. Seit dem Jahre 1902 war er zusammen mit seinem Bruder Emil Bornheim selbständig und betrieb die Herrenkleiderfabrik Gebrüder Bornheim. Gustav heiratete Bertha am 24. Mai 1903. Beide lebten in Bielefeld. Sie hatten eine Tochter, Edith, geboren 1906.

Das Ehepaar Bornheim kann man als wohlhabend bezeichnen. In den 1920er Jahren wurden per Anzeige Arbeitskräfte für die Fabrik und die private Haushaltsführung gesucht. Ab 1926 wohnten sie in einer eigenen Immobilie im Albrecht-Delius-Weg 3. 1935 musste diese Immobilie verkauft werden und die Kiskerstraße 5 wurde zum privaten Wohnsitz. Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise und später durch die Repressionen des NS-Regimes nahm der wirtschaftliche Erfolg der Herrenkleiderfabrik ab. Vom eigenen Gebäude in der Lützowstraße 6a musste die Firma 1936 in gemietete Räume in die Jüngststraße 8 umziehen.

Die Flucht der Eheleute Bornheim nach England war geplant, konnte jedoch aufgrund des Kriegsausbruches nicht verwirklicht werden. Somit blieben Bertha und Gustav in Bielefeld und verloren nach und nach alles, was sie sich aufgebaut hatten. Sie mussten eine Judenvermögenabgabe von etwa 30.750 RM leisten und hatten einen Verlust ihrer Wohnungseinrichtung sowie vieler Einrichtungsgegenstände im Zuge ihrer erfolglosen Auswanderung nach England zu beklagen.

Am 3. Juli 1941 mussten Bornheims in das „Judenhaus“ Ritterstraße 5 umziehen und am 31. Juli 1942 erfolgte die Deportation in das Ghetto Theresienstadt.

Rückkehr nach Bielefeld und Wiedergutmachung

Nach drei Jahren Gefangenschaft kehrte Bertha Bornheim am 18. Juni 1945 ohne ihren geliebten Mann nach Bielefeld zurück. Da ihre gesamte Habe vor der Deportation beschlagnahmt und versteigert worden war, stand sie mittellos da. Sie wohnte zunächst in der Humboldstraße 8 bis ihr von Bekannten eine kleine Dachwohnung an ihrer ehemaligen Wohnadresse an der Kiskerstraße 5 zur Verfügung gestellt und einige Möbelstücke leihweise überlassen wurden.

Im Jahr 1946 begann Bertha für ihre Wiedergutmachung, die ihres Mannes sowie ab 1954 auch für die Wiedergutmachung von Verwandten zu kämpfen. Die Verfahren zogen sich über viele Jahre hin und kamen nur schleppend voran. Sie bat mehrere Male aufgrund ihres voranschreitenden Alters, schnell über ihre Anträge zu entscheiden und ihr die Entschädigung auszuzahlen.

In ihren letzten Lebensjahren litt Bertha an Arthrose in den Fingern, welche nach eigenen Angaben daraus resultierte, dass sie in Theresienstadt lange im kalten Wasser arbeiten musste. Seit 1954 war sie auf eine Pflegerin angewiesen. Bertha Bornheim starb am 10. August 1966 im Alter von 89 Jahren in Bielefeld. Sie kämpfte bis zu ihrem Tod für eine vollständige Wiedergutmachung für sich, ihren Mann, ihre Schwester, ihre Neffen und die Nichte ihres Mannes.

Für Bertha und Gustav Bornheim sind am 29. Oktober 2024 in der Kiskerstraße 5 Stolpersteine in Anwesenheit der Familie Wormsley (ehemals Worms) aus England gelegt worden.

Spur aufgenommen und Recherche
Julia Rathert
Stadtbibliothek Bielefeld

Literatur

  • Adreßbuch der Stadt Bielefeld nebst Vororten, 1933. URL
  • Adreßbuch für den Stadt- und Landkreis Bielefeld, 1940. URL
  • Asdonk, Jupp, Buchwald, Dagmar, Havemann, Lutz, Horst, Uwe, Wagner, Bernf J. (Hrsg.), Es waren doch unsere Nachbarn. Deportationen in Ostwestfalen-Lippe 1941-1945
  • Minninger, Monik, Meynert, Joachim, Schäffer Friedhelm Antisemitisch Verfolgte registriert in Bielefeld 1933-45. Eine Dokumentation jüdischer Einzelschicksale Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgschichte, Bd. 4, Bielefeld 1985

Quellen

  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,1/Ordnungsamt, Nr. 1181
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,2.20/Personenstandsregister, Nr. 527: Heiratsregister 1925
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,2.20/Personenstandsregister, Nr. 638: Geburtenregister 1906
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 104,3/Einwohnermeldeamt, Nr. 18.: Meldekartei Bielefeld-Mitte, 1920-1958
  • Stadtarchiv Bielefeld, 109,3/Amt für Wiedergutmachung, Nr. B 22
  • Stadtarchiv Bielefeld, 109,3/Amt für Wiedergutmachung, Nr. B 128
  • Stadtarchiv Bielefeld, 300,8/Judaica, Nr. 141
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,2/Zeitungen, Nr. 06: Westfälische Neueste Nachrichten vom 10, Oktober 1938. URL
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,2/Zeitungen, Nr. 50: Westfälische Zeitung vom 9. September 1938. URL
  • Stadtarchiv Bielefeld, Projekt-Bestände: Gedenkbuch Bielefeld
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