Max Cahnbley wurde am 1. Oktober 1876 in Hamburg-Altona geboren. Cahnbley lebte unter anderem an der Detmolder Straße 78a und der Herforder Straße 17 in Bielefeld. Als Musikdirektor, Kapellenmeister und später Intendant des Bielefelder Stadttheaters prägte er über viele Jahre das kulturelle Leben der Stadt.
Nationalsozialismus: Konflikt mit der Musik
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 geriet Max Cahnbley zunehmend unter politischen Druck. Aus den Akten geht hervor, dass seine künstlerische Ausrichtung von den neuen Machthabern und einem inzwischen mehrheitlich nationalsozialistisch eingestellten Publikum abgelehnt wurde.
Im Zusammenhang mit einer nationalen Feier am 23. März 1933 wurde ihm vorgeworfen, „seichte Operetten“ anstelle von Werken mit „vaterländischem Gehalt“ aufgeführt zu haben. Gegen ihn wurde daraufhin ein Disziplinarverfahren eingeleitet.
Am 19. April 1933 wurde Cahnbley beurlaubt. Wenige Wochen später, am 23. Mai 1933, erhielt er die Kündigung seines Dienstverhältnisses zum 31. Mai 1934. Nach seiner Entlassung bezog er ein Ruhegehalt von monatlich 600 Reichsmark.
In den Akten wird die Begründung seiner Entfernung aus dem Amt mehrfach wiederholt. Dort heißt es, dass „das nationalsozialistische Publikum seine Tätigkeit mit Rücksicht auf die bisher von ihm verfolgte Richtung ablehnte“. Diese Formulierung verdeutlicht, dass weniger seine fachliche Leistung als vielmehr seine kulturelle und politische Unabhängigkeit Anlass für seine Verdrängung aus dem öffentlichen Kulturleben war. Nach späteren Angaben passte Cahnbley nicht mit den Vorstellungen der NSDAP überein.
Die Jahre nach seiner Verdrängung aus dem Theater
Nach dem Verlust seiner Stellung arbeitete Max Cahnbley als Musiklehrer. Diese Tätigkeit erfüllte ihn jedoch offenbar nicht. Aus den Unterlagen geht hervor, dass er sich die Rückkehr zu seiner früheren Arbeit als Theaterleiter und Musikdirektor wünschte.
Am 12. Februar 1936 bewarb sich Max Cahnbley für die Rolle des Intendanten, diese wurde allerdings von Oberbürgermeister Fritz Budde abgelehnt, weil ein erwünschter Intendant einen Hintergrund als Schauspieler besitzen sollte und musikalische Fähigkeiten von dem Musikdirektor Herrn Gössling schon erbracht worden seien.
Auch ist erkennbar, dass ab dem 1. August 1936 Max Cahnbley 250 Reichsmark von seinen 600 Reichsmark Ruhegehalt abgezogen bekam, um sein neu aufgenommenes Darlehen von 2400 Reichsmark und ein vorheriges Darlehen von 1200 Reichsmark abzuzahlen. Dadurch wird klar, dass Max Cahnbley ein Darlehen aufnehmen musste und Probleme hatte alleinig mit seinem Lohn als Musiklehrer diese zu bezahlen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs versuchte Cahnbley, wieder in seine frühere Position eingesetzt zu werden. Sein Antrag auf Wiedereinsetzung wurde jedoch am 21. Januar 1946 einstimmig abgelehnt. Diese Entscheidung traf ihn schwer. In einem Schreiben erklärte er:
„Ich kann nur annehmen, dass es den Ratsherren entgangen sein muss, dass mich diese Entscheidung weit schwerer trifft als der Magistratsbeschluss.“
Die Ablehnung empfand er demnach sogar als schmerzhafter als seine Entlassung während der Zeit des Nationalsozialismus. Am 25. Juni 1946 stellte Cahnbley einen neuen Antrag. Jedoch wurde ihn eine Anerkennung als politisch Verfolgte nicht gegeben, weil er laut dem Sozialminister von Nordrhein-Westfalen die Vorrausetzung der Richtlinien nicht erfüllte.
Jedoch bekam Max Cahnbley die Möglichkeit am 1. Juni 1950 in der Rudolf-Oetker-Halle am Dirigentenpult zu stehen und ein letztes Sonder-Konzert zu dirigieren. Die Westfalen-Zeitung vom 2. Juni 1950 sprach davon, wie sein Dirigieren eine „geschmeidene Aggressivität“ und „Intensität des Vortrags“ zeigte. Dank Max Cahnbleys dirigieren und berühmten englischen Meisterpianist Mark Hambourg blieben am Konzerttag hunderte begeisterte Hörer in der Rudolf-Oetker-Halle, selbst spät in die Mitternacht.
Max Cahnbley starb am 16. Januar 1959.
Spur aufgenommen und Recherche
Michael Freimann, Asma Saidi, Simon Vaznelis
Rudolf Rempel Berufskolleg
- Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 103,4/Personalakten, Nr. A 129
- Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 109,3/Amt für Wiedergutmachung Stadt, Nr. A 35