Max Langendorf wurde am 13. September 1866 in Prag geboren und verbrachte einen Großteil seines Lebens als Kaufmann in Bielefeld. Sein Lebensweg steht exemplarisch für die systematische Zerstörung einer bürgerlichen Existenz durch das NS-Regime.
Kaufmann und Verlust der Unternehmen
Lange Zeit war er ein fester Bestandteil des Bielefelder Wirtschaftslebens. Bereits seit 1919 betrieb er ein Haushaltswarengeschäft, zuletzt in der Bahnhofstr. 40a, das er jedoch im Juni 1930 aufgrund der allgemeinen Wirtschaftskrise aufgeben musste. Trotz seines bereits fortgeschrittenen Alters versuchte er im März 1933 einen Neuanfang und meldete ein Gewerbe für den An- und Verkauf von Ladeneinrichtungen sowie Gebrauchtmöbeln an. Doch dieser berufliche Neustart fiel fast zeitgleich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zusammen, was seine wirtschaftliche Grundlage von Beginn an untergrub.
Die Beeinträchtigungen durch die nationalsozialistische Verfolgung begannen bereits früh auf rechtlicher Ebene. Im April 1934 wurde Max Langendorf und seiner gesamten Familie die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen; sie wurden damit über Nacht staatenlos. Gleichzeitig setzten wirtschaftliche Boykottmaßnahmen seinem Geschäft massiv zu. Während er ohne diese Repressionen jährliche Einkünfte von 7.000 bis 8.000 Reichsmark hätte erzielen können, erzielte er in den Jahren 1935 bis 1938 lediglich Gewinne zwischen 600 und knapp 2.000 Reichsmark. Ende 1938 wurde er schließlich gezwungen, sein Gewerbe im Zuge der allgemeinen Verfolgungsmaßnahmen endgültig aufzugeben – man kann von „Arisierung“ sprechen.
Deportation und Wiedergutmachung
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs verschärfte sich seine Lage dramatisch. Max Langendorf, der mit seiner Ehefrau Berta in der Güsenstraße 2 lebte, wurde gezwungen, vom 19. September 1941 bis zum 7. Juli 1942 den „Judenstern“ in der Öffentlichkeit zu tragen, was seine soziale Isolation und Stigmatisierung vollendeten.
Der endgültige Bruch in seiner Lebensspur erfolgte am 8. Juli 1942, als er im Alter von fast 76 Jahren aus Bielefeld in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde. Sein gesamtes verbliebenes Hab und Gut, darunter eine 5-Zimmer-Wohnung mit vollständiger Einrichtung, wurde nach dem Erlass des Oberpräsidenten von Westfalen von der Polizei versiegelt und später durch die Finanzverwaltung verwertet.
Max Langendorf kehrte aus Theresienstadt nicht zurück. Er wurde später durch das Amtsgericht Bielefeld mit Wirkung zum 8. Mai 1945 für tot erklärt. Seine überlebenden Kinder und Enkelkinder, darunter seine Tochter Claire Kayton in New York sowie Egon und Alyne Langendorf mussten sich in den 1950er Jahren durch lange bürokratische Entschädigungsverfahren kämpfen, um zumindest eine teilweise finanzielle Anerkennung für die erlittenen Schäden an Freiheit, Eigentum und im beruflichen Fortkommen zu erhalten. Diese Akten dokumentieren heute das tragische Ende eines Lebens, das nach Jahrzehnten der Arbeit in Bielefeld durch staatlich organisierten Hass vernichtet wurde.
Spur aufgenommen und Recherche
Ranya Dnai, Emilia Markovic, Gloria Nasto
Rudolf Rempel Berufskolleg
- Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 103,2/Hauptamt, Nr. 64
- Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 109,3/Wiedergutmachung Stadt, Nr. B 111
- Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 109,3/Wiedergutmachung Stadt, Nr. B 115